Flankengott

Football is bigger than life!


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Inside player, oder wie bewerte ich einen Spieler?

Auf dem Weg zum perfekten Spieler, oder zu eigener Vollkommenheit braucht es ein Bewertungssystem, um den Status und das Ziel festzulegen. Wenn man diesen Status erhoben hat, gilt es eine Prioritätenliste auszustellen, was man wie wann verbessern möchte.

Tests und Bewertungen sind notwendig, aber im Fußball nicht sehr beliebt, weil in der Bewertung immer viel Subjektivität mitschwingt. Es gibt zwar objektive Kriterien (Schnelligkeit, Kraft, Spielwitz), aber die Prioritäten und Schwerpunkte können von Verein zu Verein und auch sogar von Trainer zu Trainer im selben Verein sehr unterschiedlich sein. Es gibt Trainer, die sehr mehr sicherheitsorientiert und es gibt Trainer, die sehr offensiv denken und spielen lassen.

Wir wollen hier eine Übersicht geben, welche Faktoren und Tests man als Trainer machen kann. Welche dann persönlich umgesetzt werden, bleibt jedem individuell überlassen. Auch was das Verfolgen aller Leistungen und deren Fort- oder Rückschritte der Spieler dokumentiert in einer Datenbank kann nicht, einfach oder detailliert erfolgen, je nach Einstellung des Trainers.

Der Nutzen einer solchen Bewertung ist aber klar. Insgesamt ergibt sich ein Profil der Mannschaft und das kann zum einen in die mögliche Taktik einfließen, Schwachstellen (Rekrutieren von neuen Spielern eines bestimmten fehlenden Profils) und Verständnis was man von den Spielern überhaupt verlangen kann. Natürlich kann man den einzelnen Spieler im Verhältnis zu anderen Spielern oder auch zur ganzen Mannschaft stellen. Auch kann der Einzelne über seine Daten die Stärken und Schwächen in der Außenwirkung verstehen und so lernen, wie er gesehen wird sowie was man ändern könnte oder sollte, um Ziele leichter zu erreichen. Die bewusste Einbeziehung von Eigenverantwortlichkeit des Spielers gegenüber seiner „Werte“ ist wesentliche r Bestandteil des Nutzens, wobei die Ziele klarer und eindeutig aufgestellt werden können. Über die verschiedenen Spielzeiten hinweg entsteht zusätzlich ein Entwicklungshorizont und schließlich ist die so stattfindende Kommunikation zwischen Spieler und Trainer sachlicher und fundierter.

Grundlage, um sich einen Überblick über eine Mannschaft zu verschaffen, könnte eine Evaluierung von Gesprächen des Spielers mit drei im Verein anerkannten Persönlichkeiten sein. Der Einfachheit halber könnte es auch eine Meinungsabfrage der Personen zu einem Spieler geben. Mindestens eine sollte den Spieler aber auch schon trainiert haben. Wiederholte Aussagen zu standardisierten vorher festgelegten Themen über den Spieler verifizieren die Bewertung bzw. die Stärken und Schwächen.

Dazu kommt eine Selbsteinschätzung des Spielers zu definierten Themenkreisen.

Wie schon immer wieder ausgeführt, ist ein wesentlicher Faktor in der Bewertung die emotionale Reife, bzw. der Charakter des Spielers. Häufig kann man beobachten, wie Spieler bei überragenden technischen Fähigkeiten jedoch mit zu hoher Emotionalität sich eine internationale Karriere verbauen. Umgekehrt findet man auch viele internationale Spieler, die nicht mit einem herausragenden Talent gesegnet sind, die aber von ihrer Einstellung her alles wettmachen. Somit ist hier auch die wichtige Botschaft an junge Talente, dass ihre technischen und taktischen Fertigkeiten ihnen die Fußballwelt aufschließen, jedoch sie nur ihr Lebenswandel und Charakter zur spielerischen Reife und zu Erfolg bringt. Kurz gesagt: Talent ohne Charakter ist KEIN Talent.

Was sind nun Kriterien zur Bewertung? Hier nehmen wir wieder Anleihen aus dem Bild, was ein perfekter Spieler ausmacht. Die Bewertung kann dann auf einer Skala von 1-10 erfolgen oder per Schulnoten, ganz wie es dem Trainer beliebt. Die Faktoren einer Leistungsbewertung können physisch, technisch, taktisch, mental und emotional sein. Auch der Lebenswandel kann in die Wertung einfließen, wobei er recht schwer objektiv bewertbar ist und die Bewertung sehr subjektiv vom Trainer abhängt. Hier kann man auch die Selbsteinschätzung des Spielers und des Trainers gegenüber stellen. Bei kritischen Faktoren, die weit auseinander liegen, gilt es Meinung von außen einzuholen, um die eine oder andere Richtung zu verifizieren oder falsifizieren.

Im Folgenden nun ein paar wichtige Qualitäten in den jeweiligen Leistungsbereichen.
Natürlich können auch weitere Qualitäten dazukommen, je nach Mentalität und Einstellung des Trainers, auch können einige Qualitäten in mehreren Bereichen auftauchen.

Physisch: Stärke, Kraft, Tempo, Ausdauer, Fitnessgrad, Rhythmusgefühl, Gleichgewicht, Bewegung, Koordination, Kondition, Ausgeglichenheit, Selbstbewusstsein, Präsenz, Körperhaltung, Körpersprache, Erscheinung.

Technisch: Positionsspiel, Laufbereitschaft, Körperhaltung, Ballkontrolle, Reaktionsvermögen, Ballannahme, Ballmitnahme, Verarbeitung, Tempo, Zweikampfverhalten, Kopfballstärke, Spiel mit und ohne Ball.

Taktisch: Positionsspiel mit und ohne Ball, Lücken erkennen, Kreativität, Spiel lesen können (z.B. Phasen eines Spiels, Aufstellung, Gegner, Grundformationen), Aufgabenverteilung, Plan des Trainers verstehen, Teamverfassung erkennen, Antizipationsfähigkeit, Kommunikation, Gewandtheit, Führungsqualität.

Mental: Stärke, positives Denken, Schnelligkeit im Denken, Schnelligkeit in der Umsetzung, Detailverliebtheit, Konzentrationsfähigkeit über die gesamte Spielzeit sowie bei Verlängerung inkl. Elfmeterschießen, Selbstbewusstsein, an sich glauben, an die Mannschaft denken, an die Mannschaft glauben, Selbstvertrauen, Biss, Siegermentalität, positiver Charakter, nichts aus der Ruhe bringen, Verantwortungsbewusstsein, Mut mit und ohne Ball, nimmt jede Trainingseinheit und jedes Spiel ernst, sieht keine Probleme nur Herausforderungen.

Emotional: Gelassenheit, Coolness unter Druck, Leidenschaft, für die Mannschaft auch immer mit zur Verteidigung zu arbeiten, mit Trainerentscheidungen positiv umgehen, mit Schiedsrichterentscheidungen positiv umgehen, sich von Fans/Gegnern nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, die Mannschaft/Mitspieler anzufeuern, sich Fehlern zu stellen und daraus zu lernen, immer weiterzugehen, die Mannschaft zu unterstützen, den Kapitän zu unterstützen, als Kapitän voran zu gehen, kann an Grenzen gehen, pflegeleicht, fordernd, Vorbild.

Lebenswandel: Hingabe, Professionalität (je nach Liga), Leidenschaft, Opferbereitschaft, Ausgeglichenheit, Ausgewogenheit, Familie, Erholungsfähigkeit, Verletzungsanfälligkeit, Privatleben, Ernährung, positives Umfeld, Sprechen mit den Mitspielern, Sprechen mit dem Trainer, Ehrlichkeit, Fairness, Achtsamkeit, Einsicht, Philosophie, Psyche, Charakterfestigkeit, Glaube an sich selbst, Hilfsbereitschaft, Fit bleiben ist Lebensinhalt, Wachheit, Guter Mensch=guter Spieler, Vorbild.

Alles in allen ein „Blumenstrauß“ an Optionen. Sicher nicht umfassend, aber eine gute Grundlage mit Analysen und Erhebungen zu starten. Je nach Alter und Liga. Diese Kriterien setzen sich ja auch im Leben fort. Streng nach dem Motto: Football is bigger than life. Danke. Bitte.


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Gibt es den perfekten Spieler? Verstehe deinen Spieler…

Nachdem wir uns Gedanken zum perfekten Spieler und damit zur perfekten Mannschaft gemacht haben, sollten wir ein paar Sätze und Gedanken zum Verständnis eines Spielers verlieren. Was macht ein umfassendes Spielerprofil aus? Da gibt es sicher die „harten“ Fakten, wie körperliche, taktische und technische Kriterien und „weiche“ Faktoren, wie mentale, emotionale sowie grundsätzliche Einstellungskriterien. Natürlich ist es wesentlich dazu zu beachten, in welcher Liga man spielt und wie hoch die einzelnen Faktoren zu bewerten sind. Darüber hinaus ist die Vorgabe des Trainers wichtig, wie die Kriterien jeweils gewichtet werden.

Im Trainingsplan sollten also Einheiten platziert werden, die die Spieler als Basisausbildung vor eine körperliche Herausforderung stellen. Durch Wiederholungen wird die Technik geschult und verfestigt. Taktische Vorgaben sollten eingeübt und in der Vorbereitung besprochen werden. Je nach Rahmenbedingungen und Klasse der Spieler sind diese Faktoren Grundvoraussetzung eines jeden Trainings, nur die Intensität und Komplexität sind variabel.

Die „weichen“ Faktoren kann man durch gezieltes und individuelles mentales Training fördern und fordern. Wir können auch die Emotionalität unter dem Licht der Selbstbeherrschung unter Druck testen, festhalten und durch geeignete Maßnahmen korrigieren, falls es nicht der Mannschaftsphilosophie und der Haltung des Vereins entspricht. Als oberste Spitze der „weichen“ Faktoren kann der Lebenswandel der Spieler bewertet werden. Hier ist es natürlich am schwierigsten klare Bewertungen und auch „Training“ stattfinden zu lassen. Welcher Lebenswandel nun der richtige sei, bleibt durchaus subjektiv, kann aber auch sehr entscheidend sein. Hier mag angeführt werden, wie stark der Spieler sich seinen Lebenswandel bewusst ist und er eine grundsätzliche Bereitschaft an den Tag legt sich damit auch kritisch auseinander setzen kann. Will er sich dem Fußball und der daraus resultierenden notwendigen Leistung voll verschreiben, nur weniger oder gar nicht.

Somit kann man folgende Profilfaktoren festhalten:
Die „harten“ Fakten, wie Physis, Technik und Taktik –
Die „weichen“ Faktoren, wie Psyche, Emotionalität und Lebenswandel –
und das jeweilige Spielerverhalten dazu.

Natürlich steht nicht jeder Spieler auf derselben Entwicklungsstufe innerhalb dieses Systems. Auch unterschiedliche Ausprägungen und Entwicklungen in den sechs Profilfaktoren sind ganz normal. Sie verändern sich wie das Leben drum rum stetig und ständig. Nur das Bewusstsein sie auch steuern bzw. beobachten zu wollen muss angelegt sein. Kritische Reflexionen und positive Verstärkungen sind wichtig und können vom Trainer angeregt werden. Das Ziel wäre eine vollkommene Leistung.

Diese Leistung hängt wesentlich vom Alter des Spielers zusammen. Auch gibt es natürlich einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Spielern. Individuelle Charakterzüge ebenso. Alles in allem also ein wunderbarer Blumenstrauß aus mannigfaltigen Facetten. Ajax Amsterdam versuchte dies in seinem TIPS System zu klassifizieren. Technik-Intelligenz-Persönlichkeit-Schnelligkeit. Wobei z.B. bei der Auswahl von Spielern in den unterschiedlichen Jahrgängen unterschiedliche Masterkriterien angelegt wurden. So wurde Schnelligkeit und Technik bei U9 Spielern mit 80% sowie Intelligenz und Persönlichkeit bei U19 Spielern mit 80 % gewichtet.

Aus all diesen Faktoren können jederzeit auch Leistungsprobleme erwachsen. Deshalb ist eine andauernde Evaluation sinnvoll. Sie kann intuitiv und natürlich auch datenbasiert sein… so unterschiedlich und individuell wie Spieler und Trainer nun mal sind.

Wenn es die Ziele des Trainers und des Vereins sind, aber die Trainer dazu nicht die Zeit oder die Möglichkeiten haben, sollte man über Expertenhilfe von außen nachdenken. Es gibt heute viele Berufsbilder, die sich auf viele der dargestellten Facetten spezialisiert haben:
Biomechaniker, Ernährungsberater, Fitnesstrainer, Physiotherapeuten, Psychologen, Ärzte, Berater, Lebensführungstrainer, usw. Wenn im Kern die Leitung steht und der Spieler sowie der Trainer daneben, können in der Peripherie viele positive Personen wertvolle Unterstützung geben.

Wie gesagt, das perfekte Profil wird niemand erreichen, aber alle müssen zusammenarbeiten, damit die Stärken gestärkt und die Schwächen minimiert werden. Natürlich kann jeder Spieler und auch jeder Trainer individuelle Ziele setzen und auch einen eigenständigen Stil entwickeln auf dem Weg zur persönlichen Exzellenz. Das hat auch nicht nur Auswirkungen auf die Leistung im Fußball, sondern gibt für das gesamte Leben eine klare Linie vor. Man kann sagen, an dieser Erkenntnisstelle ist Fußball größer als das Leben. Genauso wie im Leben sind wie von Individuen umgeben. Manchmal „können wir einfach nicht mit dem…“. Wenn am also feststellt, man hat alles in deiner Macht stehende getan, um eine Spielerleistung zu optimieren und es funktioniert nicht, dann muss man sich auch trennen können. Das gilt allerdings auch für Trainer, die in das Konzept eines Vereins nicht mehr passen ebenso.

Als nächstes werden wir die Spielerbewertung nach Stärken und Schwächen beleuchten.
Danke. Bitte.